Für den ersten Eindruck gibt keine zweite Chance.

Sagt man jedenfalls. Zum Glück gibt es Ausnahmen, denn der erste Eindruck, den ich auf Mama und Papa gemacht habe, war nicht eben sehr beeindruckend. So ein kleiner heller Punkt am Rande eines großen dunklen Etwas ist eben nicht sonderlich photogen.

Im Laufe der Zeit habe ich dann aber ganz schön zugelegt, nicht nur an Gewicht, sondern auch an Profil, so daß die späteren Bilder von mir Mama und Papa schon eine ziemlich gute Ahnung davon gegeben haben, wie ich dann live aussehen würde.


21. Dezember 2004: Das allererste Bild von mir.
Einen Tag vorher hat Mama, die gerade bei einer Freundin war, erfahren, daß ich unterwegs bin und gleich Papa angerufen, um es ihm zu erzählen. Papa ist dann zu ihr gefahren und hat sie ganz fest gedrückt. Und beide waren ganz schön durcheinander...



Schöne Bescherung!
Ausgerechnet zu Weihnachten habe ich Mama und Papa dann zum ersten mal Sorgen gemacht: Sie hatten gerade Papas Familie von mir erzählt, als es in Mamas Gebärmutter plötzlich zu bluten anfing. Da hatten beide große Angst, daß ich doch nicht zu ihnen kommen würde. Im Krankenhaus hat der Doktor ihnen dann gesagt, daß es mir gut geht und ihnen meinen Herzschlag vorgespielt - und beide haben ein kleines Bißchen geweint, obwohl sie sich doch so gefreut haben. Erwachsene sind manchmal komisch...



27. Dezember 2004
Gleich nach Weihnachten sind Mama und Papa dann nochmal mit mir zur Ärztin gefahren, um nachzusehen, ob ich noch da bin. Da dachten beide übrigens noch ganz fest, daß ich ein Mädchen werde. Pah! Sowas Albernes!



4. Januar 2005
Auf diesem Bild kann man tatsächlich schon meinen Kopf vom Bauch unterscheiden, dabei sind es noch 226 Tage bis zu meiner Geburt. Das schwarze Loch links von meiner Höhle war übrigens schuld daran, daß Mama den ganzen Januar über im Bett bleiben mußte, denn meine Höhle hatte sich dort nicht richtig an der Wand von ihrer Gebärmutter festgesetzt.



7. Januar 2005: Die erste Großaufnahme
Hier sieht man schon Kopf, Bauch und sogar die Hände und Füße. Schon toll, was heute so möglich ist. Meine Oma hat erzählt, daß der Arzt bei ihr, als mein Papa unterwegs zu ihr war, noch ein Hörrohr an den Bauch gehalten hat - und das war's. Das muß wohl irgendwann im Mittelalter gewesen sein...



7. Februar 2005
Genau einen Monat später. Ich war damals noch ganz schön leicht zu durchschauen, so daß man man meine Wirbelsäule und sogar mein Gehirn sehen kann. Und natürlich meine zierliche Nase.



7. Februar 2005
Selber Tag, etwas andere Perspektive: Hier liege ich mit dem Rücken zu dem Ultra-Dingsda, mit dem diese Bilder gemacht worden sind. In meinem Kopf seht Ihr das Gehirn, oben am Rand meiner Höhle ist mein rechter Arm und rechts liegt mein entzückender Rücken.



Und nochmal 7. Februar
Ihr seht, ich hatte es sehr gemütlich in meiner Höhle. Hier spiele ich gerade mit meiner Playstation.



15. April 2005
Noch 125 Tage bis zu meiner Geburt, aber ich bin schon prima zu erkennen, oder? Wenn Papa mich heute beim Schlafen von der Seite betrachtet, ist er immer ganz erstaunt, wie genau dieses Bild mich schon damals gezeigt hat.



15. April 2005
Hier sehe ich ein Bißchen aus wie ein Boxer nach 12 Runden. Dabei steht mir mein größter Kampf, die Geburt noch bevor. Aber davon habe ich damals noch nichts geahnt; ich dachte, ich würde immer in meiner gemütlichen Höhle bleiben können. Tja, falsch gedacht. Aber bei Mama und Papa ist es auch schön - wenn auch nicht immer so gemütlich. Ganz wichtig: Ich nuckele NICHT am Daumen - was da vor meiner Nase schwimmt, ist die Nabelschnur. Übrigens haben Mama und Papa erst als diese Photos gemacht wurden erfahren, daß ich kein Mädchen bin! Bis dahin waren sie davon sowas von überzeugt, daß ich es schon ein wenig beleidigend fand...



7. Juni 2005
Das ist das letzte Bild aus Mamas Bauch, auf dem ich noch zu erkennen bin. Später wurde ich dann zu groß, um noch ganz auf die Photos zu passen; da war es übrigens auch nicht mehr ganz so gemütlich in meiner Höhle, sondern ziemlich eng. Aber der Schock, der mich 71 Tage, 17 Stunden und 23 Minuten nach dieser Aufnahme erwartete, war trotzdem ganz schön heftig. Ab da hatte ich zwar viel mehr Platz, aber leider war es auch mit der Gemütlichkeit in der eigenen Höhle vorbei.



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